Immer gut verpackt!

Die richtigen Antworten auf höchstpersönliche Fragen: Im Dessous Geschäft Rose Rosa erfahren Kundinnen, welche Ware wirklich zu Ihnen passt.

Artikel von Franziska Wüst – Berliner Morgenpost & Die Welt

Eine Mischung aus schlicht und klassisch mit einem Hauch von Erotik“, sagt Christine Wurl (großes Foto, r.) über die Mode in ihrem Laden. Sie hat das kleine Dessousgeschäft Rose Rosa vor mehr als 30 Jahren gegründet. In der Geschichte des Ladens habe es bisher erst einen Umzug gegeben und der führte lediglich auf die andere Straßenseite, sagt die Inhaberin. Ein bisschen auch, weil sie „rebellieren wollte“, habe sie den Laden entgegen der trostlosen Stimmung in den 80er-Jahren eröffnet. Dessous und nackte Haut waren Themen, für die es damals wenig Raum gab. Und erst recht in der Nähe des Kurfürstendamms.

Inzwischen hat sich das geändert. Nacktheit wird in der Werbung und im Durchschnittskino durchaus verkaufsfördernd eingesetzt. Bei der Durchschnittsfrau, hat Christine Wurl festgestellt, sorgte dies allerdings nicht für eine erhöhte Offenherzigkeit. „Viele Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie in Unterwäsche in einem Geschäft stehen, und daher haben sie selten die richtige Beratung, beispielsweise über den passenden Büstenhalter“, sagt Christine Wurl.

Mehr als 50 Prozent aller Frauen trügen laut Statistik die falsche BH-Größe. „Wir bemühen uns deshalb sehr darum, dass sich jede Kundin in unserem Geschäft wohlfühlt“, sagt die Inhaberin.

„Der Bügel muss sitzen, der BH muss die richtige Position haben, und die Ränder dürfen nicht einschneiden.“ Geschäftsführerin von Rose Rosa ist Bienke Block. Sie ist gelernte Bekleidungstechnikerin und kennt sich aus mit den richtigen Stoffen und Schnitten. ,,Je komplizierter die Figur einer Frau ist, desto besser muss der BH sitzen“, sagt sie. Oft würde eine einzige Messung der Körbchengröße nichts bringen, da sich zum Beispiel die Formen und Schnitte der unterschiedlichen BH-Marken oft von Grund auf unterscheiden und die Größe dadurch variiere.

„Ein PushUp BH sitzt anders als ein Balconette-BH, manchmal passt eine 75D besser als eine 80C BH-Größe“ sagt Bienke Block. „Unser Job ist jedes Mal aufs Neue, das jeweils passende Teil für die Kundin zu finden.“ Im Gegensatz zu ihrer Kollegin kommt Christine Wurl nicht aus dem Bekleidungsfach. Sie hat eine Grafikdesign-Ausbildung an der Berliner Lette-Schule absolviert. Als Christine Wurl vor sieben Jahren nach Unterstützung für ihren Laden suchte, holte sie ihre alte Bekannte Bienke Block hinzu.

Oft seien Kundinnen erstaunt, dass bei Rose Rosa Unstimmigkeiten der verschiedenen Teile erkannt werden, die sie bei der Anprobe selbst niemals bemerken würden. „Klemmende Bügel fallen zum Beispiel meistens erst nach längerem Tragen des Kleidungsstücks auf‘, erklärt Bienke Block. Sie und ihre Kollegin dagegen erkennen einen falsch sitzenden Bügel schon, wenn die Kundin ein Stück im Geschäft trägt. Büstenhalter gibt es bei Rose Rosa in allen Größen. Wenn das gesuchte Stück gerade nicht vorrätig ist, wird es bestellt und falls nötig sogar passend gemacht.

Angeboten wird Lingerie aus aller Welt, von Marken mit klingenden Namen wie etwa Princesse Tam Tam. Kundinnen finden Ware für 300 Euro ebenso wie für 30 Euro.

Bienke Block zeigt auf einen himbeerfarbenen Büstenhalter mit dazugehörigem Höschen. Das luftige Set ist ihr Lieblingstextil: „Das Besondere daran sind die feinen Spitzendetails. Und an der Qualität gibt es auch nichts zu beanstanden.“ Sogar Sorgen, die sich bei der Betrachtung der Teile auf der antiken Kommode wohl nur Fachleute machen würden, kann sie zerstreuen: Trotz feiner Spitzen an den Rändern sei das Ensemble durchaus robust. Das ermögliche die Qualität der Seide. Gesamtpreis: rund 200 Euro.

„Ich komme immer wegen der Bademode her“, sagt eine Kundin, die sich im kleinen Geschäft umsieht. Bei Rose Rosa gibt es Nachtkleider, Unterhosen, Pantoffeln und als Spezialität: Schwimmausrüstung. In jeder erdenklichen Größe.

Das ganze Jahr über kann man dort einen knappen Bikini für den Sommerurlaub oder den modischen Tankini für die Mittelmeer-Schiffsreise im Herbst erwerben. Besonders die Badeanzüge aus Australien sind der Verkaufsschlager. Denn das gewitzte Detail daran ist der Retro-Schnitt mit Bein. „Der Anzug kaschiert perfekt kleine Problemzonen an Po und Oberschenkeln“, sagt Christine Wurl.